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Jeder Zweite fragt die KI nach einem Handwerker. Warum Bewertungen jetzt doppelt zählen

Was ist passiert?

Search Engine Land hat Anfang Oktober die Ergebnisse einer großen Umfrage zur lokalen Suche veröffentlicht. Der Software-Anbieter SOCi befragt dafür jedes Jahr über 1.000 Verbraucher in den USA. Die wichtigsten Zahlen aus 2026:

  • 52 % haben im letzten Monat eine KI genutzt, um ein Unternehmen in ihrer Nähe zu finden. Ein Jahr zuvor waren es nur 9 %, also fast sechsmal so viele.
  • 67 % der KI-Nutzer haben schon mindestens einmal falsche Informationen über ein Unternehmen bekommen, zum Beispiel falsche Öffnungszeiten.
  • 81 % prüfen eine Empfehlung der KI, bevor sie sich entscheiden. Am häufigsten schauen sie in die Bewertungen.
  • 99 % lesen vor dem ersten Besuch Bewertungen, zumindest manchmal.
  • 72 % entscheiden sich eher für ein Unternehmen, das auf Bewertungen antwortet. Im Vorjahr waren es 65 %.
  • 63 % haben sich schon gegen ein Unternehmen entschieden, weil sie eine wichtige Frage nicht beantwortet bekamen.

Die Autoren nennen das eine „Prüfschleife“: Kunden entdecken ein Unternehmen auf einem Kanal, zum Beispiel in einer KI-Antwort, und prüfen es dann auf einem anderen, etwa bei Google-Bewertungen oder auf Instagram. Erst dann melden sie sich.

Gilt das auch bei uns?

Die Zahlen stammen aus den USA, und dort ist die KI-Nutzung meist etwas weiter. Die Richtung ist aber eindeutig, und wir sehen sie auch im Rhein-Main-Gebiet und in der ganzen DACH-Region: ChatGPT und die KI-Übersichten von Google sind für viele Menschen inzwischen ein normaler Weg, um nach Anbietern zu fragen.

Wir merken, dass die KI-Suche bei lokalen Dienstleistungen immer wichtiger wird. Vor allem dann, wenn Menschen nicht mehr nur nach einem Anbieter suchen, sondern konkrete Fragen stellen: „Welcher Abschleppdienst ist nachts erreichbar?“ oder „Wer holt mein Auto aus einer Tiefgarage?“

Ob ein Kunde tatsächlich über ChatGPT oder eine andere KI gekommen ist, lässt sich heute allerdings noch schwer sicher sagen. Klar ist aber: KI-Systeme setzen ihre Antworten aus vielen Quellen zusammen. Und sie übernehmen dabei auch veraltete oder widersprüchliche Angaben. Aktuelle und einheitliche Firmendaten sind deshalb wichtiger denn je.

Warum Bewertungen jetzt doppelt zählen

Früher hat ein Kunde gegoogelt, sich die ersten Treffer angeschaut und angerufen. Heute sieht der Weg oft so aus:

  1. Er fragt die KI: „Welcher Elektriker in Darmstadt ist gut?“
  2. Die KI nennt zwei oder drei Namen.
  3. Er prüft nach: Google-Profil, Bewertungen, vielleicht Instagram.
  4. Erst dann ruft er an oder schreibt.

Bewertungen wirken dabei gleich zweimal:

  • Vor der Empfehlung: KI-Systeme ziehen ihre Informationen auch aus Bewertungen und Unternehmensprofilen. Wer viele aktuelle, gute Bewertungen hat, wird eher genannt.
  • Nach der Empfehlung: Wenn der Kunde nachprüft, entscheiden die Bewertungen, ob er sich meldet. Drei Bewertungen von 2021 und keine Antworten darauf sind dann ein Grund, den nächsten Namen auf der Liste anzurufen.

Wichtig dabei: Es zählt nicht nur die Sternezahl. Fast drei Viertel der Befragten bevorzugen Unternehmen, die auf Bewertungen antworten. Eine freundliche, sachliche Antwort auf eine kritische Bewertung kann mehr Vertrauen schaffen als zehn kommentarlose Fünf-Sterne-Bewertungen.

Was der Kunde nicht findet, kostet dich den Auftrag

Fast zwei Drittel der Befragten haben sich schon gegen ein Unternehmen entschieden, weil eine Frage offen blieb. Typische Fragen bei Handwerkern und Dienstleistern:

  • Was kostet das ungefähr?
  • Kommt ihr auch zu mir, also in meinen Ort?
  • Wann habt ihr geöffnet, und gibt es einen Notdienst?
  • Wie schnell bekomme ich einen Termin?

Steht das nicht klar auf der Website und im Google-Profil, kann es auch die KI nicht richtig beantworten. Dann rät sie, oder sie nennt jemand anderen.

Social Media als Suchmaschine

Ein weiterer Punkt aus der Studie: 55 % nutzen Social Media, um lokale Unternehmen zu entdecken. 2024 waren es noch 17 %. Vor allem YouTube und Instagram werden genutzt, um vorab zu sehen, wie ein Unternehmen arbeitet. Und 59 % sagen, ein Post oder Video habe sie schon einmal zum Kunden gemacht.

Für Handwerker heißt das nicht, dass sie jeden Tag tanzende Videos drehen müssen. Aber ein paar echte Einblicke helfen: ein Vorher-Nachher-Bild, ein kurzes Video von der Baustelle, das Team bei der Arbeit. Genau das sucht der Kunde, wenn er prüft, ob er dir vertrauen kann.

Beispiel aus unserer Praxis: ein Abschleppdienst aus dem Rhein-Main-Gebiet

Wie das konkret aussieht, zeigt ein Kunde von uns: ein 24/7-Abschleppdienst mit mehreren Standorten im Rhein-Main-Gebiet, für Pkw und Lkw. Wer eine Panne hat, sucht schnell und lokal. Genau hier verändert die KI-Suche gerade viel.

Was die KI über das Unternehmen sagt. Wir prüfen regelmäßig, ob und wie der Betrieb in ChatGPT, Gemini und anderen KI-Systemen genannt wird. Das Ergebnis aus dem September ist zweigeteilt:

  • Bei der Frage „Welcher Abschleppdienst in Frankfurt ist nachts schnell erreichbar?“ nennt eines von vier KI-Systemen unseren Kunden an erster Stelle. Die 24/7-Erreichbarkeit steht klar auf der Website, und die KI greift das auf.
  • Bei der Frage „Welche Abschleppfirma in Frankfurt hat gute Erfahrungen und Bewertungen?“ taucht er in keinem der vier Systeme auf. Die Bewertungen bei Google sind gut, aber es sind noch vergleichsweise wenige. Für Fragen nach Erfahrungen greift die KI offenbar eher zu Anbietern mit mehr Bewertungen.

Was die Google Search Console zeigt. Im Vergleich der letzten drei Monate mit den drei Monaten davor (Stand Anfang Oktober 2026):

  • Immer mehr Menschen suchen gezielt nach dem Firmennamen. Diese Suchen wurden 56 % öfter angezeigt. Das passt genau zur Prüfschleife: Kunden hören oder lesen den Namen irgendwo und prüfen ihn dann bei Google.
  • Die Kontaktseite bekam 21 % mehr Klicks.
  • Der Ratgeber „Wie funktioniert ein Abschleppdienst?“ verlor dagegen gut ein Viertel seiner Klicks. Wissensfragen beantwortet Google zunehmend selbst.
  • Auch die Seite „Abschleppdienst in der Nähe“ wurde 16 % öfter angezeigt, bekam aber rund 30 % weniger Klicks. Bei „in der Nähe“-Suchen entscheiden viele direkt in Google Maps, und dort zählen Profil und Bewertungen.

Für unseren Kunden heißt das: Die Website wird gefunden, der Name wird bekannter. Der nächste Hebel sind mehr und aktuellere Bewertungen, damit der Betrieb auch bei Fragen nach Erfahrung und Vertrauen in den KI-Antworten auftaucht.

Deshalb bauen wir bei diesem Kunden gerade zwei Dinge aus. Erstens die Antworten auf konkrete Kundenfragen: Was kostet das Abschleppen? Welches Einsatzgebiet? Wie läuft Pannenhilfe ab? Was passiert bei Tiefgaragen, beim Fahrzeugtransport oder bei Elektroautos? Zweitens die Bewertungen: Nach jedem abgeschlossenen Einsatz bekommt der Kunde per SMS oder WhatsApp einen direkten Link zur Google-Bewertung. Und jede eingehende Bewertung wird beantwortet, persönlich und nicht mit Textbausteinen.

Unsere Einschätzung

Die KI-Suche ist für Handwerker und lokale Dienstleister kein Zukunftsthema mehr. Sie ist schon heute relevant, auch wenn Google weiterhin den größten Teil der lokalen Suche ausmacht.

Der größte Fehler ist aus unserer Sicht, nur auf Rankings zu schauen und dabei Firmendaten, Bewertungen und die konkreten Fragen der Kunden zu vernachlässigen. Eine KI muss schnell verstehen können, was ein Unternehmen anbietet, wo es tätig ist und warum es zu einer bestimmten Anfrage passt.

Mit wenig Budget würden wir deshalb in dieser Reihenfolge vorgehen: Google-Unternehmensprofil, einheitliche Firmendaten, Bewertungen und die wichtigsten Fragen auf der eigenen Website. Das hilft in der klassischen lokalen Suche und erhöht gleichzeitig die Chance, in KI-Antworten genannt zu werden.

Klicks sind gut. Kunden sind besser.

Was du jetzt tun solltest: 6 Schritte

1. Bring dein Google-Unternehmensprofil auf Stand

Richtige Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Leistungen, Einzugsgebiet und echte Fotos. Das Profil ist eine der wichtigsten Quellen für Google und für KI-Antworten.

2. Bitte aktiv um Bewertungen

Zufriedene Kunden bewerten selten von allein. Frag nach dem Auftrag freundlich nach. Lieber regelmäßig ein paar neue Bewertungen als einmal viele. Wie das am einfachsten klappt, steht im Praxis-Tipp unten.

3. Antworte auf jede Bewertung

Auf positive kurz und persönlich, auf kritische sachlich und lösungsorientiert. Wer antwortet, zeigt, dass er sich kümmert, und das sehen neue Kunden.

4. Beantworte die typischen Fragen auf deiner Website

Preise oder Preisrahmen, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten, Notdienst, Ablauf. Am besten in einem FAQ-Bereich. Was dort klar steht, kann die KI richtig wiedergeben.

5. Halte deine Firmendaten überall gleich

Name, Adresse und Telefonnummer sollten auf der Website, im Google-Profil, auf Facebook, Instagram und in Branchenverzeichnissen identisch sein. Widersprüche verunsichern Kunden und die KI.

6. Zeig, wie du arbeitest

Ein paar echte Fotos oder kurze Videos auf Instagram, Facebook oder YouTube reichen. Sie helfen dem Kunden bei der Entscheidung, wenn er dich nach der KI-Empfehlung prüft.

Häufige Fragen

  • Kann ich beeinflussen, ob ChatGPT mein Unternehmen empfiehlt?

    Nicht direkt, aber indirekt sehr wohl. KI-Systeme stützen sich auf Informationen, die sie im Netz finden: deine Website, dein Google-Profil, Bewertungen, Branchenverzeichnisse. Je klarer, einheitlicher und aktueller diese Informationen sind, desto eher wirst du richtig und überhaupt genannt. Mehr dazu in unserem GEO-Artikel.

    GEO-Artikel →

  • Wie viele Bewertungen brauche ich?

    Eine feste Zahl gibt es nicht. Wichtiger als die Menge ist, dass regelmäßig neue dazukommen und du darauf antwortest. Schau, wie viele Bewertungen deine direkten Mitbewerber in der Region haben, und orientiere dich daran.

  • Was mache ich, wenn die KI falsche Infos über mein Unternehmen ausgibt?

    Prüfe zuerst, ob deine Daten überall richtig und gleich sind: Website, Google-Profil, Verzeichnisse. Falsche Angaben der KI kommen oft von veralteten Einträgen irgendwo im Netz. Korrigiere sie an der Quelle.

Quelle:

  • Search Engine Land: „AI usage surges 6X for local search, fragmenting the digital ecosystem“, 05.10.2026 (Grundlage: SOCi Local Discovery Index 2026, Umfrage unter über 1.000 US-Verbrauchern)

Zum Mitnehmen

  1. In der KI-Antwort aufzutauchen reicht nicht. Entscheidend ist, was der Kunde findet, wenn er nachprüft.
  2. Wer viele aktuelle, gute Bewertungen hat, wird eher genannt.
  3. Eine freundliche, sachliche Antwort auf eine kritische Bewertung kann mehr Vertrauen schaffen als zehn kommentarlose Fünf-Sterne-Bewertungen.
  4. Steht das nicht klar auf der Website und im Google-Profil, kann es auch die KI nicht richtig beantworten.
  5. Name, Adresse und Telefonnummer sollten auf der Website, im Google-Profil, auf Facebook, Instagram und in Branchenverzeichnissen identisch sein.
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