Weniger Klicks durch KI-Suche? Warum das nicht weniger Kunden heißen muss
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Was ist passiert?
Zwei aktuelle Meldungen aus den USA sorgen gerade für Unruhe in der Branche:
- KI-Übersichten erscheinen inzwischen bei fast 4 von 10 Google-Suchen. Laut dem Marktforscher Comscore enthielten im Juni 2026 39,4 % aller Google-Suchen am Desktop in den USA eine AI Overview. Ein Jahr zuvor waren es noch 25,8 %.
- Der AI Mode kostet deutlich Klicks, ohne dass die Nutzer zufriedener sind. In einem Experiment mit 1.100 Google-Nutzern wurden die Suchen einer Gruppe eine Woche lang in den AI Mode umgeleitet. Ergebnis: Der Anteil der Suchen, die auf einer Website endeten, sank um 18,8 Prozentpunkte. Gleichzeitig bewerteten die Teilnehmer die Suche als weniger hilfreich, fühlten sich weniger in Kontrolle und vertrauten Google weniger.
Für viele Unternehmer klingt das erst mal bedrohlich: Wenn Google die Antwort selbst liefert, warum sollte dann noch jemand auf meine Website kommen?
Zwei Details gehen dabei gern unter. Erstens: Die Menschen suchen nicht weniger, sondern mehr. Comscore zählte im zweiten Quartal 2026 in den USA 77 Milliarden Desktop-Suchen, 8 % mehr als zwei Jahre zuvor. Zweitens: Im Experiment wurde der AI Mode den Teilnehmern aufgezwungen. Freiwillig liefen vorher nur 0,6 % ihrer Suchen darüber.
Gilt das auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
Ja, mit etwas Verzögerung. AI Overviews gibt es in Deutschland seit dem Frühjahr 2025, der AI Mode ist inzwischen ebenfalls auf Deutsch verfügbar. Was heute in den USA passiert, sehen wir hier meist einige Monate später.
Aus unserer täglichen Arbeit sehen wir bereits, dass sich die Suche verändert. Vor allem bei klassischen Informationsanfragen übernimmt Google zunehmend einen Teil der Antwort direkt in der Suche. Das kann dazu führen, dass Seiten weiterhin häufig eingeblendet werden, aber weniger Klicks erhalten.
Beispiel aus unserer Praxis: fightshop.de
Wie das konkret aussieht, zeigt unser Kunde fightshop.de, ein Fachhändler für Kampfsport-Ausrüstung aus der Rheinstraße in Darmstadt. Der Shop verkauft Boxhandschuhe, Boxsäcke, Schutzausrüstung und Trainingsbekleidung und bietet dazu Ratgeber-Artikel an. Ein Blick in die Google Search Console (letzte 12 Monate, Stand September 2026):
- Ratgeber werden gesehen, aber kaum angeklickt. Die fünf Blog-Artikel des Shops wurden rund 27.600-mal in Google angezeigt, aber nur 124-mal angeklickt. Das ist eine Klickrate von 0,45 %. Besonders deutlich: Die Suche „boxsack aufhängen“ brachte über 2.000 Einblendungen und genau 2 Klicks.
- Kategorieseiten tragen den Shop. Seiten wie „Boxhandschuhe 14 oz“, „Muay-Thai-Shorts“ oder „Twins Boxhandschuhe“ bringen mit über 26.000 Klicks rund zwei Drittel aller Besucher aus Google.
- Wer kaufen will, klickt. Bei „boxhandschuhe 14 oz“ klicken 2,5 % der Suchenden, auf Produktseiten 2,7 %. Und wer gezielt nach „fightshop darmstadt“ sucht, klickt in fast jedem vierten Fall.
Nicht jeder fehlende Klick geht allein auf das Konto der KI, auch Position und Saison spielen mit. Aber das Muster ist eindeutig: Bei Wissensfragen holen sich die Nutzer die Antwort direkt bei Google. Bei Kaufabsicht landen sie im Shop. Für fightshop.de heißt das: Die Arbeit gehört in erster Linie auf die Kategorie- und Produktseiten, nicht in immer mehr Ratgeber-Texte.
Zweites Beispiel: Parkfuchs24
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Parkfuchs24, einem Park-&-Shuttle-Anbieter am Flughafen Frankfurt, den wir ebenfalls betreuen. Ein Vergleich der letzten drei Monate mit den drei Monaten davor (Google Search Console, Stand Anfang Oktober 2026) zeigt zwei gegensätzliche Entwicklungen:
- Der Ratgeber verliert Klicks, obwohl er öfter gezeigt wird. Der Artikel über die zehn größten Flughäfen Deutschlands wurde rund 112.400-mal in Google eingeblendet, 20 % öfter als zuvor. Die Klicks sanken trotzdem von 1.133 auf 748, ein Minus von 34 %. Genau so sieht es aus, wenn Google die Antwort selbst liefert.
- Die Buchungsseite legt kräftig zu. Die wichtigste Seite fürs Geschäft, „Parkplatz buchen“, steigerte ihre Klicks im selben Zeitraum von 369 auf 769. Das ist mehr als eine Verdopplung, bei nur 13 % mehr Einblendungen.
Wer einen Parkplatz am Flughafen sucht, will buchen und keine Erklärung lesen. Genau solche Seiten verlieren durch KI-Antworten kaum Klicks. Und genau sie bringen Buchungen.
Deshalb bewerten wir die Entwicklung nicht allein anhand des organischen Traffics. Entscheidend ist für uns, welche Suchanfragen und Seitentypen betroffen sind und ob die wirklich geschäftsrelevanten Seiten ihre Sichtbarkeit halten oder ausbauen. Rankings und Traffic sind wichtige Signale. Am Ende müssen sie aber zu Anfragen, Buchungen oder Umsatz beitragen.
Ein pauschales „SEO funktioniert nicht mehr“ lässt sich daraus aus unserer Sicht nicht ableiten. Vielmehr verändert sich, welche Klicks eine Website bekommt und wie wertvoll diese Klicks für das jeweilige Geschäftsmodell sind.
Warum weniger Klicks nicht weniger Kunden bedeuten
Nicht jede Suche ist gleich viel wert. Grob gibt es zwei Arten:
1. Informations-Suchen – „Wie lange hält ein Flachdach?“, „Was ist GEO?“, „Welche Heizung ist die beste?“
Hier liefert die KI oft eine brauchbare Antwort. Viele Nutzer klicken danach nicht mehr weiter. Diese Klicks gehen tatsächlich verloren.
2. Kauf- und Auftragssuchen – „Dachdecker Darmstadt“, „Parkplatz Flughafen Frankfurt buchen“, „Küchenrückwand nach Maß kaufen“, „Steuerberater für Selbstständige in meiner Nähe“
Wer so sucht, will keine Erklärung, sondern einen Anbieter. Hier wird weiterhin geklickt, angerufen und angefragt.
Dazu kommt ein dritter Effekt, der oft übersehen wird: Wer nach einer KI-Antwort doch noch klickt, ist besser informiert und entschlossener. Die Neugierigen bleiben bei Google, die Interessierten kommen zu dir. Weniger Besucher, aber bessere.
Wen trifft es am stärksten?
Wer | Risiko | Warum |
|---|---|---|
Handwerker & lokale Dienstleister | eher gering | Lokale Suchen landen in Google Maps und beim Unternehmensprofil. Bewertungen und Profil sind hier wichtiger als die KI-Übersicht. |
Onlineshops | mittel | Ratgeber-Texte verlieren Klicks, Produkt- und Kategorieseiten bleiben wichtig. Neu: Google testet Kaufen direkt in der KI (bisher in den USA). |
Beratende Dienstleister & B2B | hoch | Viele Suchen sind Fragen. Wer hier nicht in der KI-Antwort genannt wird, wird gar nicht mehr wahrgenommen. |
Wie stark ein Unternehmen betroffen ist, hängt vor allem davon ab, wonach seine Kunden suchen und wie sie sich entscheiden. Die Tabelle ist deshalb eine Orientierung, keine starre Regel.
Gerade bei Handwerkern und regionalen Dienstleistern bleibt die klassische lokale Suche enorm wichtig. Wer akut einen Abschleppdienst, Elektriker oder eine andere Dienstleistung braucht, möchte nicht zehn Absätze KI-Erklärung lesen, sondern wissen: Wer kann mir helfen, wo ist das Unternehmen und wie erreiche ich es?
Bei B2B-Unternehmen und beratungsintensiven Dienstleistungen sieht es anders aus. Dort beginnt der Weg zum Auftrag oft mit Fachfragen, Vergleichen oder der Suche nach einer Lösung. Genau diese Fragen beantworten KI-Systeme zunehmend selbst. Für diese Unternehmen wird es deshalb wichtiger, nicht nur gute Rankings aufzubauen, sondern von der KI als vertrauenswürdige Quelle und konkreter Anbieter genannt zu werden.
Unsere Einschätzung
Wir halten weder Panik noch Abwarten für die richtige Reaktion. Für Unternehmen entsteht gerade vor allem eine Chance: SEO noch stärker auf echte Geschäftsziele auszurichten.
SEO verschwindet nicht. Gute Sichtbarkeit in Google bleibt ein zentraler Baustein im Online-Marketing. Was sich verändert, ist, woran man Erfolg misst. Es geht weniger darum, möglichst viele Menschen auf eine Website zu holen, sondern die richtigen: die, die wirklich etwas suchen, das du anbietest.
Genau deshalb ändert sich für uns die grundsätzliche Strategie weniger, als es auf den ersten Blick scheint. Wir optimieren weiterhin technische Grundlagen, Inhalte, lokale Sichtbarkeit sowie Leistungs- und Kategorieseiten. Gleichzeitig achten wir heute stärker darauf, ob Unternehmen und Inhalte auch für KI-Systeme eindeutig verständlich, vertrauenswürdig und als Quelle nutzbar sind.
SEO und GEO betrachten wir dabei nicht als zwei getrennte Welten. Gute Technik, klare Seitenstrukturen, fundierte Inhalte, erkennbare Expertise und ein einheitlicher Unternehmensauftritt helfen sowohl in der klassischen Google-Suche als auch in KI-Suchen.
Der größte Fehler wäre deshalb, jetzt jedem neuen KI-Trend hinterherzulaufen und bewährtes SEO über Bord zu werfen. Genauso wenig sinnvoll wäre es, neue Suchgewohnheiten zu ignorieren. Erfolgreich ist aus unserer Sicht die Kombination aus bewährtem SEO, sauberer Auswertung der Daten und gezielter Weiterentwicklung für KI-Suchen.
Unsere Devise: Bewährtes behalten. Neue Suchwege verstehen. Dort optimieren, wo daraus tatsächlich Kunden entstehen.
Klicks sind gut. Kunden sind besser.
Was du jetzt tun solltest: 5 Schritte
1. Miss Anfragen, nicht nur Besucher
Richte ein, dass Anrufe, Formular-Anfragen und Bestellungen sauber gezählt werden. Erst dann siehst du, ob weniger Klicks wirklich ein Problem sind. Sinkender Traffic bei gleichbleibenden Anfragen ist keine Krise.
2. Schau in die Google Search Console
Vergleiche Impressionen und Klicks der letzten 12 Monate. Steigen die Impressionen, aber die Klicks sinken? Dann wirst du gesehen, aber die KI beantwortet die Frage schon. Prüfe, welche Seiten betroffen sind: Ratgeber oder Leistungsseiten?
3. Stärke die Seiten, die Geld bringen
Leistungsseiten, Kategorieseiten, Kontaktseite: Sie sollten schnell laden, klar sagen, was du anbietest, wo und für wen, und einen deutlichen Weg zur Anfrage haben. Hier wird weiterhin geklickt.
4. Pflege dein Google-Unternehmensprofil
Für lokale Anbieter ist das Profil in Google Maps oft wichtiger als die Website. Aktuelle Öffnungszeiten, echte Fotos, regelmäßige Bewertungen und Antworten darauf.
5. Sorge dafür, dass die KI dich nennt
KI-Suchen zitieren Quellen, die klar, konkret und belegt sind. Das heißt: eindeutige Antworten auf die Fragen deiner Kunden, echte Zahlen, erkennbare Autoren, einheitliche Firmendaten im ganzen Netz. Wie das genau geht, erklären wir in unserem Artikel GEO: So wird deine Website in ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews zitiert.
Häufige Fragen
Lohnt sich SEO überhaupt noch, wenn die KI alles beantwortet?
Ja. Die KI braucht Quellen, und die holt sie sich von gut optimierten Websites. Außerdem klicken Menschen, die kaufen oder beauftragen wollen, weiterhin. SEO verschiebt sich nur: weg von reinen Besucherzahlen, hin zu Sichtbarkeit in Google und in KI-Antworten.
Sollte ich jetzt lieber Google Ads schalten statt SEO?
Anzeigen bringen sofort Anfragen und sind bei kaufbereiten Suchen weiterhin sichtbar. Sie ersetzen aber keine organische Sichtbarkeit, sie ergänzen sie. Was für dich sinnvoll ist, hängt von Budget, Branche und Zeitdruck ab. Mehr dazu in unseren FAQ und auf unserer Seite zu Google Ads.
Wie merke ich, ob mich die KI-Suche Kunden kostet?
Vergleiche drei Zahlen über die letzten 12 Monate: Impressionen, Klicks und Anfragen. Sinken nur die Klicks, ist das meist unkritisch. Sinken auch die Anfragen, solltest du handeln.
Quellen:
- Search Engine Land: „Google AI Overviews now appear in 39% of U.S. desktop searches“, 22.09.2026 (Grundlage: Comscore, Q2 2026 AI Intelligence Report)
- Search Engine Land: „Google AI Mode cuts clicks without boosting satisfaction: Study“, 23.09.2026 (Feldexperiment mit 1.100 US-Nutzern, März 2026)
Zum Mitnehmen
- Weniger Klicks heißt nicht automatisch weniger Anfragen.
- Wer gezielt sucht, um etwas zu kaufen oder zu beauftragen, klickt weiterhin.
- Die Neugierigen bleiben bei Google, die Interessierten kommen zu dir.
- Sinkender Traffic bei gleichbleibenden Anfragen ist keine Krise.
- Bewährtes behalten. Neue Suchwege verstehen. Dort optimieren, wo daraus tatsächlich Kunden entstehen.